Was ist Autismus?

 

Autismus ist eine geistige Behinderung die erst relativ spät als eigenständiges Krankheitsbild erkannt wurde. Erst 1943 veröffentlichte der Kinder- und Jugendpsychiater LEO KANNER (1894 -1981) einen Aufsatz. Dieser erschien in einer amerikanischen Fachzeitschrift. Darin beschrieb er 11 Fallgeschichten von Kindern bis zum 11. Lebensjahr die an schwer verständlichen und irritierenden Symptomen des Autismus erkrankt waren. Heute ist bekannt, dass das Autistische Syndrom eine Hirnfunktionsstörung ist, die in einer frühbeginnenden tiefgreifenden Entwicklungsstörung auftritt. Dadurch entstehen kognitive, emotionale, sprachliche und motorische Funktionsdefizite. In der Regel treten erste Symptome vor dem dritten Lebensjahr auf. Die Ursachen sind vielfältig. Diskutiert wird vor allem eine hirnorganische, biochemische oder genetische Verursachung. Dem gegenüber stehen die Stärken. Diese zeigen sich besonders bei der Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und der Intelligenz. Dennoch wird von Ärzten, Forschern sowie Angehörigen und Autisten selbst eine angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns beschrieben. Es wird davon ausgegangen, dass Menschen mit Autistischem Syndrom die Reize aus der Umwelt zwar aufnehmen aber nicht adäquat verarbeiten können. Die betroffenen Personen können die Realität, in die sie geboren werden nicht richtig verstehen, so dass sie ihnen als Chaos erscheint. In Deutschland sind etwa 40.000 Personen betroffen den eine schwerwiegend umfassende Entwicklungsstörung diagnostiziert wurde. Dabei sind Jungen drei- bis viermal häufiger erkrankt als Mädchen. Hauptmerkmale der autistischen Störung–ohne erkennbaren Anlass, plötzliche Affektausbrüche, Angstzustände, Schrei- oder Wutanfälle, Aggressionen mit Fremd- oder Selbstbeschädigungen bei Überforderung durch Reizüberflutung–das auffällig starre Festhalten an bestimmten, mit den üblichen Normen nicht zu vereinbarenden Gewohnheiten oder Ritualen, die beziehungsbelastend und eingliederungserschwerend sein können–umfassende Beschäftigung mit einem oder mehreren stereotypen und begrenzten Interesse, wobei Inhalt und Intensitäten abnorm sind–Bewältigungsversuche durch Fixierung auf beschränkte wiederholend und stereotype Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten–Sprachstörungen wie z.B. das Beharren auf Ein- und Zweiwortsätzen, das Sprechen von sich selbst in der 2. oder 3. Person. Auch das Verwechseln von „Du“ und „Ich“. Weiterhin die Echolalie, d.h. das Nachsprechen des Gehörten sowie mehrfaches Wiederholen von Worten und Sätzen usw.–die qualitative Beeinträchtigung der verbalen und nonverbalen Kommunikation–das verzögerte Einsetzen oder das völlige Ausbleiben der Entwicklung von der gesprochenen Sprache ohne den Versuch zu unternehmen, die Beeinträchtigung durch alternative Kommunikationsformen wie der Gestik oder der Mimik zu kompensieren – eine ausgeprägte Beeinträchtigung des Verständnisses und der Gestaltung sozialer Interaktion wie z.B. die nonverbalen Verhaltensweisen, wie Blickkontakt, Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Gestik können nicht sozial adäquat angewandt werden–der verminderte oder fehlende Kontakt zum Mitmenschen wie z.B. durch das Ablehnen von Berührungen, Blickabwenden, Vorbei- bzw. Hindurchsehen, das in sich Zurückziehen und vorwiegendes Zuwenden zu Gegenständen, d.h. zur unbelebten Welt–die massive und anhaltende Beeinträchtigung der sozialen Interaktion. Die Eltern von autistisch behinderten Kindern sind spätestens mit Vollendung der Schulzeit mit ungelösten Problemen konfrontiert. Diese Kinder sind den Einflüssen ihrer Umwelt schutzlos ausgeliefert. Sie verstehen die sozialen Vorgänge um sie herum nicht und können somit neue Situationen auch nicht verarbeiten. Hingegen bilden Kinder ohne Behinderung in dieser Entwicklungsphase, allmählich ihre Identität zu ihrer Umwelt aus. Autisten haben häufig nicht die Möglichkeit ihre Gefühle zu offenbaren. Sie sind „Gefangene ihrer eigenen Emotionen“. Daraus resultiert, dass sie allgemeine Ausdrucksformen, wie z.B. Protest/Ablehnung nicht verständlich zum Ausdruck bringen können. Auch Ängste oder Kränkungen sind häufig zeitlich verzögert, so dass Ursachen nur schwer zu erkennen sind. Häufig geraten Erwachsene mit Autistischem Syndrom in eine Isolation. Diese wird sehr intensiv erlebt. Als Kind waren sie in die Familie integriert. Dort waren ihre „Skurrilitäten“ durch die Eltern organisiert. Außerhalb der Familie (Heim, Werkstatt, Wohnstätte) stellt sie das vor komplexe, schwer einzuschätzende Situationen in denen sie sich selbst orientieren müssen. Durch diese Problematik sind „herkömmliche“ Einrichtungen der Behindertenhilfe – Wohnheime und Werkstätten für Menschen mit Behinderung in der Regel nicht in der Lage (und oft auch nicht bereit) autistische Menschen mit schwersten Verhaltensauffälligkeiten aufzunehmen. Daher ist es zwingend erforderlich Wohnraum zu ermöglichen, der für die speziellen Bedürfnisse hirngeschädigter Menschen mit Autismus eingerichtet ist. Ohne dieses Angebot bliebe für viele Erkrankte nur der verhängnisvolle Weg in die psychiatrische Großeinrichtung. Um eine zugeschnittene Einrichtung zu ermöglichen ist das Behinderungsbild und die typische Problematik des autistischen Menschen zu beachten. Dazu gehören z.B. der Bezug auf ihr Sozialverhalten, ihre Empfindlichkeiten, ihr Bedürfnis nach Nähe oder Distanz zu ihren Mitmenschen, ihre Vorlieben, Eigenarten und Abneigungen, ihre behinderungsspezifischen Beeinträchtigungen und Zwänge in Bezug auf ihre Kompetenzen. Auf diese besonderen Anforderungen ist das Fichtenhaus in Markt Wald entstanden. Dieses ermöglicht 7 autistisch behinderten erwachsenen Menschen mit psychischer Beeinträchtigung ein dauerhaftes zu Hause mit einer individuellen und einzeln respektierenden Betreuung. Der Schlüssel zu diesem tragfähigen Miteinander liegt in der Verknüpfung klarer Strukturen für alle Bewohner mit einer ganz individuellen, auf die Situation des Einzelnen ausgerichteten Betreuung. Durch diese spezielle Struktur des Alltags und der dazu gehörenden Betreuungssituationen wird erreicht, dass aggressive, destruktive oder selbstverletzende Handlungen der autistischen Erwachsenen möglichst verhindert/eingeschränkt oder durch spezielle Hilfe in ihrer Dynamik abgeschwächt werden

Alles, was die Menschen in Bewegung setzt, muss durch ihren Kopf hindurch; aber welche Gestalt es in diesem Kopf annimmt, hängt sehr von den Umständen ab. (Friedrich Engels)

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